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16. Juni 2026

Firmeneigene Pensionskassen unter Druck: Warum 2026 viele KMU neu entscheiden müssen

Kolumne von Alain Grand

Die firmeneigene Pensionskasse galt in der Schweiz lange als Ausdruck unternehmerischer Eigenständigkeit. Wer eine eigene Vorsorgeeinrichtung führte, bestimmte selbst über Anlagestrategie, Vorsorgepläne und Finanzierung. Gerade bei etablierten KMU war die eigene Pensionskasse oft Teil der Unternehmenskultur — verbunden mit dem Anspruch, Verantwortung für Mitarbeitende und Unternehmen langfristig selbst wahrzunehmen.

Doch die Realität hat sich verändert. Immer mehr Unternehmen stellen sich heute die Frage, ob dieses Modell unter den aktuellen Rahmenbedingungen noch tragfähig ist.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre spricht eine deutliche Sprache: Seit 2013 haben hunderte Unternehmen ihre firmeneigene Pensionskasse aufgegeben und in eine Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung überführt. Die Gründe dafür liegen weniger in fehlendem Willen als vielmehr in den steigenden Anforderungen an Governance, Fachkompetenz und Risikomanagement.

 

Alain Grand - allnews 0626

Im Bild: Alain Grand, Fachleiter Vorsorge bei Tellco

Die Verantwortung wird komplexer

2026 stehen viele KMU zusätzlich unter Druck. Die regulatorischen Anforderungen an Vorsorgeeinrichtungen nehmen weiter zu. Themen wie Transparenz, ESG-Integration, Anlagerisiken, Cybersecurity oder die professionelle Dokumentation von Entscheidungsprozessen beschäftigen heute auch kleinere Vorsorgeeinrichtungen intensiv.

Gleichzeitig bleibt der Stiftungsrat in der Verantwortung. Wer eine firmeneigene Pensionskasse führt, trägt nicht nur strategische Verantwortung, sondern haftet bei Pflichtverletzungen auch persönlich.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele kleinere Vorsorgeeinrichtungen verfügen über begrenzte personelle Ressourcen. Wenn langjährige Stiftungsratsmitglieder oder Geschäftsführer der Pensionskasse ausscheiden, wird es zunehmend schwieriger, geeignete Nachfolger mit ausreichender Vorsorge- und Anlagekompetenz zu finden.

Was früher mit überschaubarem Aufwand geführt werden konnte, verlangt heute spezialisiertes Fachwissen in Bereichen wie Vermögensverwaltung, versicherungstechnischen Themen und regulatorischer Governance.

 

Fixkosten steigen schneller als die Bestände

Besonders herausfordernd wird die Situation für kleinere und mittlere Vorsorgeeinrichtungen durch die Kostenstruktur.

Viele Aufwendungen — etwa für Revision, Pensionskassenexperten, regulatorische Prüfungen oder Administration — fallen unabhängig von der Anzahl versicherter Personen an. Sinkt der Bestand aktiver Versicherter oder steigt der Rentneranteil, erhöhen sich die Fixkosten pro versicherte Person spürbar.

Hinzu kommen demografische Entwicklungen. In zahlreichen traditionellen KMU hat sich die Altersstruktur in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Ein höherer Anteil an Rentenbeziehenden bindet Kapital und reduziert die finanzielle Flexibilität der Vorsorgeeinrichtung.

Spätestens dann stellt sich die strategische Frage: Passt eine eigenständige Vorsorgelösung noch zur heutigen Unternehmensgrösse, zur Risikofähigkeit und zur langfristigen Unternehmensstrategie?

 

Vollversicherung oder teilautonome Lösung?

In der Praxis stehen Unternehmen heute meist vor zwei Alternativen: der Vollversicherung oder einer teilautonomen Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung.

Die Vollversicherung bietet maximale Sicherheit. Ein Lebensversicherer übernimmt sowohl die Anlage- als auch die Versicherungsrisiken. Unterdeckungen sind ausgeschlossen, Leistungen garantiert. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bleibt dieses Modell für sicherheitsorientierte Unternehmen attraktiv.

Demgegenüber stehen teilautonome Lösungen, die in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben. Hier werden Risiken wie Tod und Invalidität typischerweise rückversichert, während das Alterskapital kollektiv am Kapitalmarkt investiert wird. Dadurch bestehen langfristig höhere Renditechancen — allerdings verbunden mit gewissen Marktrisiken.

Für viele KMU bieten moderne Sammelstiftungen heute einen entscheidenden Vorteil: Sie kombinieren professionelle Governance-Strukturen mit Skaleneffekten. Administration, Compliance, Vermögensverwaltung und regulatorische Anforderungen werden zentral geführt, während Unternehmen gleichzeitig weiterhin Gestaltungsspielraum bei Vorsorgeplänen und Finanzierung behalten können.

 

Die Diskussion verändert sich

Noch vor einigen Jahren stand häufig die Frage im Vordergrund, ob eine firmeneigene Pensionskasse Ausdruck besonderer Unabhängigkeit sei. Heute rückt eine andere Frage in den Fokus: Welche Struktur ist langfristig stabil, effizient und verantwortbar?

Gerade 2026 zeigt sich, dass sich die Anforderungen an Vorsorgeeinrichtungen weiter professionalisieren werden. Digitalisierung, regulatorische Entwicklungen und volatile Kapitalmärkte erhöhen den Druck zusätzlich.

Für viele KMU geht es deshalb nicht mehr primär um Autonomie, sondern um Nachhaltigkeit der Lösung — personell, finanziell und organisatorisch.

Das bedeutet nicht, dass firmeneigene Pensionskassen grundsätzlich ausgedient haben. Unternehmen mit ausreichender Grösse, stabiler Governance und klaren Ressourcen können auch künftig erfolgreich mit eigener Lösung fahren.

Viele andere Unternehmen erkennen jedoch zunehmend, dass moderne Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen heute Lösungen bieten, die Professionalität, Flexibilität und Effizienz miteinander verbinden. Entscheidend ist deshalb nicht die Tradition einer Struktur, sondern ihre Zukunftsfähigkeit.

 

Biografie

Alain Grand verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der beruflichen Vorsorge. Mit seiner Expertise und seinem breiten Netzwerk prägt er bei Tellco die Gestaltung zukunftsorientierter Vorsorgelösungen. 

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