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24. März 2026

Vollversicherung oder teilautonome Sammelstiftung: Was bei Teilzeit und Temporären für KMU entscheidend ist 

Kolumne von Alain Grand

Vollversicherung oder Sammelstiftung? Diese Frage stellt sich für KMU besonders dann, wenn viele Mitarbeitende in Teilzeit arbeiten, im Stundenlohn angestellt sind oder Einsätze und Pensen regelmässig wechseln. In solchen Unternehmen geht es nicht nur um Sicherheit, sondern auch darum, wie gut sich eine Vorsorgelösung im betrieblichen Alltag umsetzen lässt. Entscheidend ist, wie gut eine Vorsorgelösung mit schwankenden Löhnen, unregelmässigen Arbeitszeiten und häufigen Ein- und Austritten umgehen kann.

 

Alain Grand - allnews März 2026

Im Bild: Alain Grand, Fachleiter Vorsorge bei Tellco

Wo starre Modelle im Alltag an Grenzen stossen

Für Unternehmen mit stabilen Vollzeitpensen ist die berufliche Vorsorge meist gut planbar. Anders sieht es aus, wenn ein grosser Teil der Belegschaft nicht jeden Monat denselben Lohn erzielt. Gerade bei Teilzeitangestellten, Mitarbeitenden im Stundenlohn oder temporären Einsätzen entsteht rasch administrativer Aufwand: Löhne verändern sich, Beschäftigungsgrade schwanken, Ein- und Austritte sind häufiger.

In solchen Konstellationen wird die Pensionskasse schnell zu einer praktischen Führungsfrage. Denn je komplexer die Personalstruktur, desto wichtiger wird eine Lösung, die nicht nur korrekt funktioniert, sondern auch im Alltag handhabbar bleibt.

 

Vollversicherungen bieten Stabilität, Sammelstiftungen mehr Flexibilität

Die Vollversicherung bleibt dort attraktiv, wo Unternehmen vor allem auf Garantien und weitgehende Risikoauslagerung setzen. Für klassische Belegschaften mit konstanten Löhnen kann das gut passen. Diese Sicherheit hat jedoch ihren Preis: Garantien und die vollständige Risikoübernahme durch den Versicherer führen dazu, dass Vollversicherungslösungen – je nach Personalstruktur – mit höheren Kosten oder Risikoprämien verbunden sind als flexiblere Sammelstiftungen.

Bei Teilzeit und Temporären stehen jedoch oft andere Anforderungen im Vordergrund. Hier zeigt die Sammelstiftung ihre Stärke: Sie kann flexiblere Vorsorgelösungen ermöglichen, die besser zu einer dynamischen Personalstruktur passen. Das betrifft nicht nur die Ausgestaltung des versicherten Lohns, sondern vor allem die operative Umsetzung im Alltag.

 

Besonders bei Stundenlohn zählt eine saubere Beitragsabrechnung

Ein grosser Vorteil flexibler Sammelstiftungen liegt bei Unternehmen mit Beitragsabrechnung auf Stundenlohnbasis. Dort ist der versicherte Lohn nicht jeden Monat gleich hoch, sondern richtet sich nach den effektiv geleisteten Stunden. Das ist für viele Branchen Realität: Detailhandel, Gesundheit, Betreuung, Reinigung oder projektbasierte Dienstleistungen.

Gerade hier ist eine Vorsorgelösung gefragt, die solche Lohnverläufe möglichst sauber abbildet. Wenn Beiträge näher am tatsächlich erzielten Einkommen berechnet werden können, entstehen mehrere Vorteile:

Erstens wird die Vorsorge für Arbeitgeber administrativ nachvollziehbarer. Zweitens lässt sich die Beitragsbelastung besser an die effektive Lohnsumme anlehnen. Drittens wird das System auch für Mitarbeitende verständlicher, weil die Vorsorge ihrer realen Erwerbssituation entspricht.

Für KMU ist das relevant. Denn bei schwankenden Einsätzen wirken starre Prozesse oft unpraktisch. Flexible Modelle schaffen hier mehr Übereinstimmung zwischen Lohnsystem, Personalrealität und Vorsorgelösung.

 

Auch bei Teilzeit braucht mehr als eine Standardlösung

Ähnlich ist es bei Teilzeitangestellten. Wer viele kleine oder wechselnde Pensen beschäftigt, braucht keine möglichst abstrakte Standardlösung, sondern eine Vorsorge, die zur Belegschaft passt. Eine Sammelstiftung kann hier gerade dann Vorteile haben, wenn das Unternehmen nicht ein homogenes Personalprofil hat, sondern unterschiedliche Arbeitspensen, variable Monatslöhne und häufige Veränderungen.

Für Arbeitgeber ist das mehr als nur Administration. Eine Vorsorgelösung, die nachvollziehbar, fair und näher an den tatsächlichen Arbeitsverhältnissen ist, kann auch bei Rekrutierung, Mitarbeiterbindung und interner Akzeptanz helfen.

 

Für KMU zählt nicht nur Sicherheit, sondern Alltagstauglichkeit

Die Frage lautet deshalb nicht nur, ob eine Vollversicherung Sicherheit bietet. Das tut sie. Die wichtigere Frage für viele KMU ist, ob diese Form der Sicherheit zur eigenen Belegschaft passt.

Wo aber Teilzeit, Stundenlohn, Temporäreinsätze und schwankende Einkommen den Alltag prägen, spricht vieles dafür, eine Sammelstiftung mit einer flexiblen Vorsorgelösung genauer zu prüfen.

Denn die beste Lösung ist nicht einfach eine Standardlösung. Es ist jene, die Sicherheit mit betrieblicher Realität verbindet.

 

Biografie

Alain Grand verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der beruflichen Vorsorge. Mit seiner Expertise und seinem breiten Netzwerk prägt er bei Tellco die Gestaltung zukunftsorientierter Vorsorgelösungen. 

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